Kategorie-Archiv: Allgemein

Rolle rückwärts: Google revolutioniert sein Outfit

Seit 1996 sieht die Google-Suche eigentlich immer aus, wie sie immer aussah: Eine blanke Seite, ein Google-Logo, das über die Jahre ein paar Updates erfahren hat, und die Suchleiste. die Frugalität dieser Optik machte gegenüber den überladenen Webportalen der Internet-Frühzeit sicherlich den Charme und damit den Erfolg von Google aus. Doch damit soll es sich nun haben: In nächster Zeit will Google die Seite für die Websuche radikal verändern.

Künftig soll auch dem normalen Google-Nutzer, der einfach nur nach ein paar Keywords suchen möchte, eine neue „User Experience“ ermöglicht werden. Das meldet die britische Tageszeitung Guardian.  Auf KI-Analysen beruhende personalisierte News- und Info-Angebote sollen um die Suchleiste drapiert werden.

In der Google-App für Android-Smartphones (dieses mobile Betriebssystem ist von Google entwickelt worden) ist dies schon seit 2012 so. Nun soll auch die Desktopsuche und die iOS-Version entsprechend umgebaut werden. Google nähert sich damit mehr dem Layout früherer Webportale an. Es ist zu bezweifeln, ob das so wünschenswert ist.

Wer mit der neuen Google-Suche nicht glücklich ist, dem sei gesagt, dass es reichlich Alternativen zu dieser Suchmaschine gibt. Eine kleine kommentierte Auswahl habe ich hier zusammengestellt.

Recherche: Was wiegt die Welt?

Von einem spannenden Forschungsprojekt weiß die Tageszeitung Die Welt zu berichten: Wissenschaftler der University of Leicester, die sich zur „Working Group on the Anthropocene“ zusammengetan haben, haben das Gewicht von allem, was Menschen jemals gebaut haben, nachrecherchiert. Der Bereich dessen, was von Menschenhand hergestellt wurde, wird auch als Technosphäre bezeichnet. Die Forscher schreiben dazu:

„Nach unserer Definition besteht die materielle Technosphäre aus technologischen Materialien, in denen eine menschliche Komponente identifizierbar ist, wobei sie zum Teil aktiv genutzt werden und zum Teil Abfall sind.“

Häuser, Fortbewegungsmittel, Kugelschreiber, Sahnetorten, Smartphones, Gummireifen: All das gehört zur Technosphäre und hat ein Gewicht. Aber auch Mülldeponien oder der „Mont Klamott“ in Köln, ein Schuttberg mit dem Abraum des zweiten Weltkriegs, zählen dazu.

Das Ergebnis: 30 Billionen Tonnen soll unsere Technosphäre wiegen. Das ist das 100.000-fache der Biomasse aller Menschen auf der Erde. Es entspricht pro Quadratmeter Erdoberfläche 50 Kilogramm Gewicht. Im Schnitt haben also die Menschen im Anthropozän, der Ära der vom Menschen dominierten und bebauten Welt, auf jeden Quadratmeter  einen Zementwürfel mit etwa einer Kantenlänge von 25 Zentimeter gebaut.

Wie man an Bundestags-Gutachten kommt

Henning Bulka / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0
Henning Bulka / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0

Die Onlineplattform fragdenstaat.de hat zusammen mit abgeordnetenwatch.de eine Aktion gestartet, um die Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags öffentlich zu machen: FragdenBundestag. Jedes Jahr werden hunderte Gutachten erstellt, die den Abgeordneten als Entscheidungsgrundlage dienen. Bislang veröffentlichte der Bundestag die Gutachten nicht.

Zur Vorgeschichte: Ende Januar 2016  hatte die Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de eine bis dahin unveröffentlichte Liste mit den Titeln mehrerer Tausend Gutachten von 2005 bis 2015 online gestellt. Deren Herausgabe hatte der Bundestag gegenüber abgeordnetenwatch.de lange Zeit verweigert und behauptet, die Organisation verfolge mit ihrer Anfrage eine „Ausforschung des Behördenhandelns“ (mehr dazu HIER). Nach einem Widerspruch von abgeordnetenwatch.de auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) gab die Parlamentsverwaltung die Liste schließlich doch heraus. Durch das Bekanntwerden der Titel konnten Bürger und Journalisten erstmals konkrete Gutachten beim Bundestag anfordern. Dies war bislang nicht möglich, weil nicht bekannt war, welche Ausarbeitungen überhaupt existieren. Daraufhin hatten abgeordnetenwatch.de und fragdenstaat.de die Öffentlichkeit aufgerufen, die Gutachten über fragdenbundestag.de auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes beim Deutschen Bundestag anzufordern. Angesichts der zahlreichen Bürgeranfragen gab die Bundestagsverwaltung ihre Weigerung, alle Gutachten von sich aus zu veröffentlichen, im Februar 2016 auf.

Seit Februar stellt die Bundestagsverwaltung die Gutachten sukzessive auf der eigenen Webseite ein. Da diese dort jedoch schlecht auffindbar und nicht durchsuchbar sind, haben die Macher von fragdenbundestag.de Anfang März das Portal sehrgutachten.de aufgesetzt, worüber Interessierte die vom Bundestag veröffentlichten Gutachten mit Schlagwörtern durchsuchen und herunterladen können. Damit sind diese nun z.B. auch für Journalisten und Wissenschaftler nutzbar. Sehr beliebt (und lesenswert) ist übrigens das Gutachten über UFO-Forschung.

Im November 2016 haben die Macher von FragdenBundestag für ihre Aktion den Otto-Brenner-Preis für das beste Medienprojekt erhalten.

„Die Zeit“ feiert mit Rückblick Geburtstag

70jahre_zeitMit einer Sonderausgabe feiert die Wochenzeitung „DIe Zeit“ ihren 70. Geburtstag. Eine ganze Ausgabe lang erzählen alte und junge Mitarbeiter/innen des Hamburger Blatts Geschichten aus der Geschichte der traditionsreichen Wochenzeitung. Ex-Chefredakteur und Herausgeber Theo Sommer kommt ebenso zu Wort wie Jungredakteure, die Korrektorin oder die Fotoabteilung. Garniert werden die Feierlichkeiten von zahlreichen Veranstaltungen in Hamburg. Darüber hinaus hat „Die Zeit“ zusammen mit dem Wissenschaftszentrum Berlin und dem Umfrageinstitut eine Umfrage in 3000 deutschen Haushalten über die „Welt, in der wir leben wollen“ angestrengt. Viele Informationen rund um das Jubiläum gibt es auf der Website der Zeit-Verlagsgruppe.

„Spiegel“ ohne Medienseite

Spiegel-Cover 26/2015
Spiegel-Cover 26/2015

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat seine Medienseite eingestellt. Mit dem Erscheinen von Ausgabe 26/2015 erhält das Hamburger Magazin eine neue Heftstruktur. Die Chefredaktion will damit neue Schwerpunkt setzen und beispielsweise den Spiegel-Gesprächen und -Reportagen mehr Raum bieten. Dafür verzichtet man auf eine eigene, ausgewiesene kritische Medienberichterstattung:

Den festen Medienteil geben wir auf – Texte aus der vielfältigen Welt der Medien finden unsere Leser künftig an entsprechend vielen Orten im Heft,

ist in der aktuellen „Hausmitteilung“ zu lesen. Gerade in Zeiten des „Lügenpresse“-Vorwurfs und eines zunehmend raueren Umgangs der Öffentlichkeit mit ihren Journalisten ist diese Entscheidung schwer nachzuvollziehen. Man könnte höchstens einwenden, dass die Medienseiten des „Spiegel“ auch in der Vergangenheit nicht immer unbedingt die kritischsten waren und stattdessen gerne einmal der Fernsehprominenz eine weitere Bühne zur Selbstdarstellung boten. Die Chance, hier einzulenken und einen wirklich nachhaltigen Blick auf den Medienbetrieb zu werfen, hat die „Spiegel“-Chefredaktion damit vertan.

Suchmaschine für Social Media-Inhalte

Bildschirmfoto 2015-04-30 um 17.45.38Lakako ist eine Suchmaschine, die sich ganz auf Social Media-Inhalte konzentriert. Das Design ähnelt sehr dem typischen Suchmaschinen-Design, wie es sich durch Google etabliert hat. Lakako hat seine Stärken aber bei Recherchen im Social Web (Facebook, Twitter, Google Plus), dem Fotodienst Instagram, der Microblogging-Plattform Tumblr sowie Social Video. Mit letzterem sind vor allem auch Videoseiten wie Keek, Vimeo oder Socialcam gemeint.

„Die Kunst der Recherche“ ist erschienen

Kunstderrecherche_002Here it is! Gestern trudelte das Paket mit den druckfrischen Exemplaren von „Die Kunst der Recherche“ ein: 296 Seiten praktische Tipps, theoretische Reflexion und methodisches Handwerkszeug. Insgesamt habe ich beinahe 2 Jahre an dem Werk gearbeitet und freue mich auf weiterführende Anregungen und Kritik. Die UVK-Verlagsseite zum Buch ist hier zu finden. Zitat des Tages:
„Recherchieren kann heute jeder. Wenn Journalisten recherchieren, sollten sie es zu einer Kunst machen“.

SZ-Projekt „Die Recherche“

SZ_RechercheDie Süddeutsche Zeitung, ohnehin eine der Größen im deutschen Recherchejournalismus, hat sich mit dem Projekt „Die Recherche“ etwas Besonderes einfallen lassen: Sie recherchiert Themen, die ihre Leserinnen vorschlagen:

Täglich lesen Sie auf SZ.de Geschichten, in denen viel Recherche steckt. Aber manches wollen Sie vielleicht noch genauer wissen. Oder Sie wünschen sich einen neuen Blickwinkel auf vermeintlich Bekanntes. Verraten Sie uns, was Sie interessiert, wir schauen uns die Sache an – in unserem neuen Format Die Recherche.

Allein seit Anfang des Jahres 2015 sind bei der Redaktion über 700 Themenvorschläge eingegangen. Drei dieser Themen stellt das Rechercheteam jetzt zur Abstimmung: Geschlecht, Geld, Gott — oder etwas weniger plakativ Gleichberechtigung, Kapitalismus oder Religion. Wer sich an der Abstimmung beteiligen will, kann das über die Website von „Die Recherche“ tun. Im lesenswerten Recherche-Blog findet man auch Beiträge zu vergangenen Recherchen des SZ-Teams.