Recherche: Was wiegt die Welt?

Von einem spannenden Forschungsprojekt weiß die Tageszeitung Die Welt zu berichten: Wissenschaftler der University of Leicester, die sich zur „Working Group on the Anthropocene“ zusammengetan haben, haben das Gewicht von allem, was Menschen jemals gebaut haben, nachrecherchiert. Der Bereich dessen, was von Menschenhand hergestellt wurde, wird auch als Technosphäre bezeichnet. Die Forscher schreiben dazu:

„Nach unserer Definition besteht die materielle Technosphäre aus technologischen Materialien, in denen eine menschliche Komponente identifizierbar ist, wobei sie zum Teil aktiv genutzt werden und zum Teil Abfall sind.“

Häuser, Fortbewegungsmittel, Kugelschreiber, Sahnetorten, Smartphones, Gummireifen: All das gehört zur Technosphäre und hat ein Gewicht. Aber auch Mülldeponien oder der „Mont Klamott“ in Köln, ein Schuttberg mit dem Abraum des zweiten Weltkriegs, zählen dazu.

Das Ergebnis: 30 Billionen Tonnen soll unsere Technosphäre wiegen. Das ist das 100.000-fache der Biomasse aller Menschen auf der Erde. Es entspricht pro Quadratmeter Erdoberfläche 50 Kilogramm Gewicht. Im Schnitt haben also die Menschen im Anthropozän, der Ära der vom Menschen dominierten und bebauten Welt, auf jeden Quadratmeter  einen Zementwürfel mit etwa einer Kantenlänge von 25 Zentimeter gebaut.

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Suchmaschine für das Internet der Dinge

schodanIm Internet kann man nicht mehr länger nur nach Schlüsselwörtern suchen, sondern auch nach Dingen. Die Suchmaschine schodan.io hilft dabei, Gegenstände wie Webcams, Drucker, Kühlschränke, Heizungsregler und andere Smart-Home-Geräte aufzuspüren. Aber nicht nur das: Auch  industrielle Kontrollsysteme, zum Beispiel von Klär- oder Kraftwerken, kann Schodan recherchieren helfen.

Shodan liefert über diese vernetzten Geräte Basis-Informationen, etwa die IP-Adresse, über die ein Gerät vom Internet aus erreichbar ist. Über eine solche IP-Adresse kann man beispielsweise die Geräte ansteuern, wenn sie nicht sind mit einem Passwort vor fremden Zugriffen geschützt sind.

Ein Rechercheteam der Süddeutschen Zeitung hat in monatelanger Spürhund-Arbeit mit der Dinge-Suchmaschine Schodan vernetzte Geräte gesucht. Die ReporterInnen haben

in wildfremde Wohnzimmer und Arbeitsräume blicken können und privateste Daten von Personalausweisen bis zu Passwörtern für Online-Konten gefunden – weil die Zugänge nicht einmal mit simplen Passwörtern geschützt waren.

Die SZ-ReporterInnen haben auch zusammen mit einer Münchener Sicherheitsfirma ein digitales Werkzeug entwickelt, mit dem man die Sicherheit der eigenen vernetzten Gegenstände testen kann. Wichtigster Sicherheitstipp ist und bleibt aber, vernetzten Geräten im Internet der Dinge ein Passwort zu geben — und im Fall, dass werkseitig ein Passwort vorgegeben war, dieses unbedingt zu ändern.

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Starke ARD-Recherche: Vertuschter Pharma-Skandal

Ein starkes Stück Fernsehen und eine starke Recherche: In der ARD-Doku-Reihe Die Story lief am vorvergangenen Abend der Film „Der vertuschte Skandal – Ein Pharmakonzern und sein Hormonpräparat“ von Christian Stücken:

Viele Kinder kommen in den 60er- und 70er-Jahren mit Missbildungen auf die Welt: Hirnschäden, Herzfehler, verkümmerte Gliedmaßen. Sie haben alles eines gemeinsam. Ihre Mütter haben von ihrem Hausarzt das Mittel Duogynon als Schwangerschaftstest bekommen.

Eigentlich ist Duogynon von der Firma Schering in den 60er- und 70er-Jahren ein Hormonpräparat, das bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt wird. Frauenärzte verabreichen es gern als Schwangerschaftstest. Lösen die eingenommenen Hormone keine Blutungen aus, weiß die Frau, dass sie schwanger ist. Was die zugeführten Hormone bei den Kindern im Bauch der Mutter anrichten – daran denkt niemand. Unterm Ladentisch wird Duogynon als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch gehandelt.

Der Film deutet die Rechercheschwierigkeiten nur an, die ihm selbst wohl im Wege standen. Wenn man aber nebenbei erfährt, dass eine BBC-Dokumentation zum gleichen Thema aus den 1970er-Jahren bis heute im „Giftschrank“ des Senders liegt und nie ausgestrahlt wurde, ahnt man, wieviele ARD-Justiziare diese „Story“ abgesegnet haben werden, bevor sie auf Sendung ging. Dass außerdem auch die Bildgestaltung bei diesem schwierigen und durchaus nicht bilderreichen Thema überaus gelungen und kreativ war, zeichnet diesen Film nur noch weiter aus.

Nur eines hat der Film nicht zu bieten: Eine Lösung. Aber dazu ist guter Journalismus auch nicht immer da. Er hat die Recherche geleistet, die Folgearbeiten müssen jetzt andere machen.

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ARD: Whistleblower – Die Einsamkeit der Mutigen

In der ARD-Reihe Die Story war am späten Montag Abend eine Dokumentation über Whistleblower zu sehen. Anhand von drei realen Geschichten zeigt der Film, wie Menschen, die für die Gesellschaft relevante Informationen öffentlich machen, von Arbeitgebern, Politik und Justiz behandelt werden — nämlich schlecht.

Der Polizist Swen Ennulat aus Sachsen-Anhalt wollte sich nicht damit abfinden , dass seine Vorgesetzten die Ermittlungen gegen rechte Gewalttaten ausbremsten. Antoine Deltour machte die Beteiligung der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) an der immensen Steuervermeidung von Konzernen in Luxemburg öffentlich. Und die Tierärztin Margrit Herbst wurde gekündigt und lebt seitdem von Sozialhilfe, weil sie die ersten BSE-Fälle in Deutschland öffentlich gemacht hat.

Der Film verweist auch auf die Notwendigkeit eines besseren gesetzlichen Schutzes von Whistleblowern, der aber von der Regierungskoalition ausgebremst worden ist.

ARD Die Story: Whistleblower

 

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Gebühren für behördliche Auskünfte

Behörden sind in Deutschland Journalisten gegenüber im Regelfall zur Auskunft verpflichtet. Außerdem haben Journalisten bevorzugte Einsichtsrechte in behördliche Unterlagen. Das bezieht sich insbesondere auch auf Archive. Allerdings können sie, je nach Aufwand der Informationsbeschaffung, Gebühren verlangen. Hier eine Überischt über die Gebührensätze, die Journalisten erwarten: Continue reading

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Wie man an Bundestags-Gutachten kommt

Henning Bulka / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0
Henning Bulka / Flickr / CC BY-NC-SA 2.0

Die Onlineplattform fragdenstaat.de hat zusammen mit abgeordnetenwatch.de eine Aktion gestartet, um die Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags öffentlich zu machen: FragdenBundestag. Jedes Jahr werden hunderte Gutachten erstellt, die den Abgeordneten als Entscheidungsgrundlage dienen. Bislang veröffentlichte der Bundestag die Gutachten nicht.

Zur Vorgeschichte: Ende Januar 2016  hatte die Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de eine bis dahin unveröffentlichte Liste mit den Titeln mehrerer Tausend Gutachten von 2005 bis 2015 online gestellt. Deren Herausgabe hatte der Bundestag gegenüber abgeordnetenwatch.de lange Zeit verweigert und behauptet, die Organisation verfolge mit ihrer Anfrage eine „Ausforschung des Behördenhandelns“ (mehr dazu HIER). Nach einem Widerspruch von abgeordnetenwatch.de auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) gab die Parlamentsverwaltung die Liste schließlich doch heraus. Durch das Bekanntwerden der Titel konnten Bürger und Journalisten erstmals konkrete Gutachten beim Bundestag anfordern. Dies war bislang nicht möglich, weil nicht bekannt war, welche Ausarbeitungen überhaupt existieren. Daraufhin hatten abgeordnetenwatch.de und fragdenstaat.de die Öffentlichkeit aufgerufen, die Gutachten über fragdenbundestag.de auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes beim Deutschen Bundestag anzufordern. Angesichts der zahlreichen Bürgeranfragen gab die Bundestagsverwaltung ihre Weigerung, alle Gutachten von sich aus zu veröffentlichen, im Februar 2016 auf.

Seit Februar stellt die Bundestagsverwaltung die Gutachten sukzessive auf der eigenen Webseite ein. Da diese dort jedoch schlecht auffindbar und nicht durchsuchbar sind, haben die Macher von fragdenbundestag.de Anfang März das Portal sehrgutachten.de aufgesetzt, worüber Interessierte die vom Bundestag veröffentlichten Gutachten mit Schlagwörtern durchsuchen und herunterladen können. Damit sind diese nun z.B. auch für Journalisten und Wissenschaftler nutzbar. Sehr beliebt (und lesenswert) ist übrigens das Gutachten über UFO-Forschung.

Im November 2016 haben die Macher von FragdenBundestag für ihre Aktion den Otto-Brenner-Preis für das beste Medienprojekt erhalten.

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Neues Buch: Google & mehr – Onlinerecherchen

Im UVK-Verlag ist jüngst der Band Google & mehr: Online-Recherche. Wie Sie exakte Treffer auf Ihre Suchanfragen erhalten erschienen. In Zeiten des »information overloads« hat sich der Begriff der Recherche nachhaltig verändert: Bei Onlinerecherchen geht es heute nicht mehr darum, so viele Informationen wie möglich zu finden, sondern im Gegenteil nur noch so wenige, wie nötig. Aus den abertausenden Treffern, die Google & Co. einem heute bieten, müssen die treffendsten herausgefiltert werden. Dabei helfen erweiterte Sucheinstellungen, Operatoren und manchmal auch sogenannte »Google Hacks«, mit denen die Suchmaschine sich überlisten lässt. Und jenseits von Google gibt es eine große Zahl an Spezialsuchwerkzeugen im Internet, mit denen der User die Suche nach Dateien, Geo-Informationen, Musik, wissenschaftlichen Arbeiten etc. zielgenau verbessern kann. Eines der Zauberwörter im digitalen Zeitalter ist der Datenjournalismus: Der vorliegende Band geht insbesondere darauf ein, wie ganze Datensätze sich im Internet recherchieren und weiterverarbeiten lassen, und zwar bis hin zu geheimen Daten, Passwortlisten und anderem sicherheitsrelevantem Material. Viele journalistisch relevante Informationen lassen sich online nur noch ergattern, wenn man anonym unterwegs ist: Der Band zeigt darum, wie man mit dem Anonymisierungswerkzeug TOR unerkannt im Netz recherchieren kann. Tipps zu Recherchen mit dem Smartphone, zu In-App-Recherchen in Officeprogrammen und zu kollaborativen Recherchen über Cloud-Speicher-Dienste runden den Überblick ab. 

Das Buch kostet 14,99 Euro und ist in jedem Buchhandel und online erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf der Verlagsseite von UVK:

Hektor Haarkötter: Google & mehr – Onlinerecherche.

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Hamburger Elbphilharmonie mit Streetview recherchieren

Die Hamburger Elbphilharmonie, Deutschlands teuerste Konzerthalle, ist fertig. Das gigantische Projekt aus Betan, Stahl und Glas der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron konnte endlich vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt Hamburg übergeben werden. Während Hotel und Gastronomie schon geöffnet haben, bleibt der Konzertsaal aber noch bis Januar 2017 geschlossen.

Google-User finden aber jetzt schon einen Eingang: Mit der Streetview-Technologie, mit der schon ganze Straßenpläne virtualisiert wurden, lässt sich jetzt auch das neue Hamburger Konzerthaus schon vor der Eröffnung vom Publikum inspizieren. Gleichzeitig hat Google in einem eigenen Pressebereich die Arbeit seines Fotografen dokumentiert. Damit kann nun auch jeder Internetnutzer überprüfen, ob die exorbitanten Ausgaben in Höhe von 789 Mio. Euro angesichts der imposant angebrachten 4765 Orgelpfeifen (das macht immerhin 165.582,- Euro pro Pfeife) gut investiert waren oder ob bei der realen Eröffnung am 11.Januar 2017 ein Pfeifkonzert angebracht sein wird.

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