Fake-News selber machen und erkennen

Gefälschte Nachrichten, auf neudeutsch Fake-News, machen im Internet die Runde, sollen Wahlkämpfe beeinflussen und Stimmung machen. An dieser Stelle soll nicht über die politischen oder moralischen Implikationen von Fake-News räsonniert werden, sondern es soll gezeigt werden, wie spielend einfach Fake-News herzustellen sind.

Grundsätzlich gilt: Fake-News sind gefälschte Nachrichten, die optisch wie die Artikelseiten oder Artikelausschnitte gewöhnlicher oder etablierter Medien daher kommen, aber in Wahrheit Zeitungsenten oder satirische Beiträge sind. Sie sind meistens mit Überschrift, einer Dachzeile oder Unterüberschrift sowie einem Artikelbild versehen und werden vorwiegend über Social Media gestreut, wo sie oft rasante Verbreitung finden.

Auf onlinewahn.de selbst hergestellte Zeitungsseite mit Fake-News

Fake-News: Do-it-yourself

Es gibt einige Dienste und Seiten im Netz, die die Herstellung von Fake-News zum Kinderspiel machen:

24aktuelles.com bietet eine Maske, in der man Überschrift und Text des gefälschten Beitrags eintragen sowie ein Foto hochladen kann. Der Beitrag wird generiert und mit einem Facebook-Button wird direkt zum Teilen in sozialen Netzwerken aufgerufen. 24aktuelles betont mehrfach, es handle sich um einen „Spaß“ oder „Witz“. Außerdem steht auf der Seite eine Art Disclaimer: „Die Verfasser von Beiträgen, die Terrorakte verherrlichen oder die öffentliche Ordnung beeinträchtigen, setzen sich einer strafrechtlichen Verfolgung aus“. Das ist auch dringend nötig, denn beispielsweise die Braunschweiger Polizei musste über Twitter ein Dementi absetzen, nachdem Spaßvögel die Falschmeldung verbreitet hatten, in Braunschweig sei eine IS-Zelle entdeckt und 23 Islamisten festgenommen worden.

24aktuelles.com will witzig sein

paulnewsman.com ist noch ausgefeilter: Hier kann der Falschmelder aus vier verschiedenen Zeitungstypen und -erscheinungsbildern wählen (Kölner Abendblatt, Blitzkurier, Britta, Grätsche). Paulnewsman will nicht witzig sein, sondern behauptet, es habe seine Daseinsberechtigung, um die „Medienkompetenz“ der LeserInnen zu testen:

„Eigentlich wollte nur jemand einen Kollegen verarschen. Heraus kam dieses grandiose Tool um die Medienkompetenz deiner Freunde zu testen! „

Paulnewsman.com testet angeblich Medienkompetenz

Vorbild all diese Fakenews-Schleudern ist die amerikanische Seite channel23news.com. Auch hier lädt eine simple Eingabemaske dazu ein, Falschmeldungen zu erfinden und im Netz zu veröffentlichen. Welch fatale Folgen ein solcher vermeintlicher Scherz haben kann, hat Buzzfeed in einer Recherche gezeigt: Dem Londoner Restaurant Karri Twist blieben die Gäste aus, nachdem jemand mit channel23news einen Artikel erzeugt hatte, in dem behauptet wurde, in der Gaststätte würde Menschenfleisch verköstigt.

Geschäftsmodell Fake-News

Einen kritischen Umgang mit Fake-News will das Onlinespiel fakeittomakeit.com lehren. Hier konkurriert man auf der Website mit den gefälschten Geschichten der anderen MitspielerInnen: Es gewinnt, wer die meisten Klicks und damit auch die meisten Werbegelder generiert. Und das erfolgt vor allem so, dass man besonders drastische Titel und Themen wählt, die mit den Vorurteilen der LeserInnen spielen. Erfinderin des Spiels ist Amanda Warner aus Ohio. Sie arbeitet sonst für Nicht-Regierungsorganisationen im Gesundheitsbereich. Die Idee zu dem Browserspiel kam Warner, als sie von mazedonischen Teenagern hörte, die mit Fake-News-Seiten während des US-Präsidentschaftswahlkampfs tausende Dollar verdient hatten: „Diese Leute waren nicht unbedingt daran interessiert, wie die Wahl ausgeht oder ob sie Leute mit ihren Artikeln beeinflussen. Sie haben einfach nur eine Möglichkeit gesehen, an Geld zu kommen“.

Das ist auch das Geschäftsmodell der hier vorgestellten Webdienste: Denn jede über Social Media verbreitete Fake-News lenkt Traffic auf die genannten Seiten, die dort wiederum mit ganz realer Werbung ihr Geld verdienen.

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