Kategorie-Archiv: Politik

Fake-News selber machen und erkennen

Gefälschte Nachrichten, auf neudeutsch Fake-News, machen im Internet die Runde, sollen Wahlkämpfe beeinflussen und Stimmung machen. An dieser Stelle soll nicht über die politischen oder moralischen Implikationen von Fake-News räsonniert werden, sondern es soll gezeigt werden, wie spielend einfach Fake-News herzustellen sind.

Grundsätzlich gilt: Fake-News sind gefälschte Nachrichten, die optisch wie die Artikelseiten oder Artikelausschnitte gewöhnlicher oder etablierter Medien daher kommen, aber in Wahrheit Zeitungsenten oder satirische Beiträge sind. Sie sind meistens mit Überschrift, einer Dachzeile oder Unterüberschrift sowie einem Artikelbild versehen und werden vorwiegend über Social Media gestreut, wo sie oft rasante Verbreitung finden. Continue reading

Fake-News und wie man sie recherchieren kann

Alle reden von Fake-News, aber wie kriegt man eigentlich heraus, ob hinter einem Social Media-Posting oder einem Online-Artikel Tatsachen stecken oder Manipulation? Nun, die Recherche ist häufig mühsam. Es gibt aber einige Quellen im Internet, die schon abonniert sind auf Falschnachrichten. Buzzfeed ist nun einer solchen Internetseite in einer interessanten Recherche auf die Schliche gekommen. Continue reading

ZDF: Sparkassen-Recherche

ZDF_Frontal21Gutes Beispiel für eine intensive Recherche: Viele Sparkassen und demnächst auch die Postbank erheben auf einmal Gebühren für Leistungen, die jahrelang kostenlos waren. Begründet wird dies mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Die Recherchen des ZDF-Politmagazins Frontal 21 ergeben aber ein völlig anderes Bild: Auch und gerade in Zeiten niedriger Zinsen haben die Sparkassen hierzulande satte Profite gerade mit dem Zinsgeschäft gemacht. Seit der Finanzkrise 2008 sind diese Profite sogar noch stark gestiegen. Was allerdings auch steigt: Die Gehälter und Boni der Sparkassen-Vorstände. Doch damit sollen die Gebührenerhöhungen selbstverständlich nichts zu tun haben …

Ein kleines Lehrstück darüber, dass die spannendsten Recherchestücke häufig im Wirtschaftsjournalismus zu finden sind. Der Beitrag ist in der ZDF-Mediathek zu sehen:

Frontal21: Gierige Sparkassen

Guter Service: Das ZDF stellt auch das Manuskript zu dem Beitrag online:

Manuskript: Gierige Sparkassen

Verstößt Wikileaks gegen die Pressefreiheit?

Wikileaks_rubon32Journalisten lieben Wikileaks. Eigentlich. Denn die Enthüllungsplattform Wikileaks hat in den vergangenen Jahren schon für einige echte „Scoops“ gesorgt: Die Afghan War Diarys und der Iraq War Logs waren öffentlichkeitswirksame Knüller, die ihre Wirkung auf die internationale Politik nicht verfehlt haben.

Aktuell hat Wikileaks die Email-Datenbank des US Democratic National Committee, also der Demokratischen Partei, veröffentlicht. Daraus soll hervorgehen, dass die Parteispitze im parteiinternen Wahlkampf einseitig Hilary Clinton gegenüber ihrem Konkurrenten Bernie Sanders bevorzugt haben soll. Die Parteichefin ist bereits zurückgetreten. Auch in diesem Fall stürzt sich die deutsche Presse begierig auf die Enthüllungen.

Es gibt allerdings Gründe, warum Journalisten in diesem Fall zurückhaltender sein sollten, was die Veröffentlichung dieses „Leaks“ angeht. Denn unter diesen Emails sind viele Mails, die Journalistenanfragen an die Demokratische Partei enthalten, etwa von RedakteurInnen der Washington Post oder des populären Politblogs Politico. Und auch die entsprechenden Email-Antworten sind zum Teil in der Datenbank recherchierbar. Das dies einen fundamentalen Eingriff in die Pressefreiheit darstellt, liegt auf der Hand.

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Schutz für Whistleblower

dog-whistle-280807_960_720Whistleblower haben einen schweren Stand: In der Öffentlichkeit haben Aufklärer wie Edward Snowden einen guten Ruf, aber rechtlich und beruflich ergeht es ihnen oft schlecht. Verlust des Arbeitsplatzes oder drohende langwierige rechtliche Auseinandersetzungen machen es nicht sehr attraktiv, gesellschaftlich relevante Interna auszuplaudern. Während stattliche Institutionen eine Informationspflicht haben und mit den neuen Informationsfreiheitsgesetzen der Bürger diese auch juristisch durchsetzen kann, sind Infos aus der Wirtschaftswelt immer noch nur schwer zu ergattern. Ohne Whistleblower wären viele Skandale unentdeckt geblieben.

Nun haben auch die Justizminister der deutschen Bundesländer das erkannt. Auf ihrer 87. Konferenz Anfang Juni in Nauen (Brandenburg) haben sie die Bundesregierung aufgerufen, das 2013 im Koalitionsvertrag genannte Thema noch in dieser Legislaturperiode aufzugreifen. Angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung von frühzeitigen Hinweisen auf Missstände in Unternehmen, Behörden und Organisationen und im Hinblick auf internationale Vorgaben solle die Bundesregierung prüfen, „ob der Schutz von Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern einer gesetzlichen Regelung bedarf“.

Der Aufruf der Justizminister geht auf eine gemeinsame Initiative von Brandenburg und Niedersachsen zurück. „Whistleblower leisten der Gesellschaft mit ihrem Engagement und Zivilcourage wichtige Dienste“, so zitiert die Fachzeitschrift Journalist Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig. Er freue sich daher über die Entscheidung der Länder, für einen besseren Schutz einzutreten. Aus Sicht von Brandenburg gibt es für Whistleblower wegen der derzeit fehlenden gesetzlichen Regelung keine Rechtssicherheit. Sie könnten nur im Nachhinein durch Arbeitsgerichte feststellen lassen, ob ihr Handeln rechtmäßig war.

Ähnlich äußert sich laut Journalist auch NRW-Justizminister Thomas Kutschaty: „Wenn Mitarbeiter ihren Job verlieren, weil sie im Unternehmen auf Straftaten hinweisen, läuft etwas schief im Land.“ Deutschland brauche „klare Regeln für Whistleblower, daher fordern wir die Bundesregierung auf, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen“, so Kutschaty.

Innerhalb der EU haben von den 28 Mitgliedsstaaten derzeit fünf eine gesetzliche Regelung, die Whistleblowern einen gewissen Schutz bietet: Großbritannien, Irland, Luxemburg, Rumänien und Slowenien. Die EU-Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz hat vor diesem Hintergrund einen neuerlichen Vorstoß gemacht, eine EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern zu schaffen, wie der Journalist zu berichten weiß.

„Benennen, blossstellen, ins Gefängnis werfen“

Anas Aremeyaw Anas TED„Benennen, blossstellen, ins Gefängnis werfen“, das ist das Arbeits- und Lebensmotto des Ghanaischen Enthüllungsjournalisten Anas Aremeyaw Anas. Die Neue Züricher Zeitung nennt ihn den „James Bond des afrikanischen Journalismus“.

„Enthüllung“ ist bei Anas ein irreführendes Wort, denn er selbst tritt ausschließlich mit Kapuzenpullis und mit Perlenketten vor dem Gesicht in der Öffentlichkeit auf, um seine Identität zu schützen.

Zwei Jahre lang haben Anas und sein Team 180 Justizbeamte mit versteckter Kamera dabei gefilmt, wie sie sich bestechen liessen. Unter ihnen sind 34 Richter, 12 davon vom obersten ghanesischen Gerichtshof. Anas gab sich als Nahestehender von Angeklagten aus und bot Gegenleistungen für ein mildes Urteil an. Geldbeträge wechseltendie Hand, einmal auch eine Ziege. Continue reading

Spiegel Online recherchiert mit Smartphone

SpOn_mobil_2015In einem interessanten journalistischen Experiment sind 15 Reporterinnen und Reporter von Spiegel Online nur mit ihren Smartphones ausgerüstet losgezogen und haben sich am „Fluchtpunkt Deutschland“ umgesehen: Im Video-Newsblog berichten die Journalist/innen live von den Schauplätzen der sogenannten Flüchtlingskrise in Deutschland. Von Neuhaus am Inn, dem Grenzübergang nach Österreich, bis Kiel werden die Ergebnisse direkt gepostet. Flüchtlinge, die Fotos aus der Heimat zeigen, Sprachkurse mit sprechenden Tafelbildern, Demonstrationen eines „Bürgerbündnisses“, Helfer und Grenzbeamte werden gezeigt und interviewt. Von morgens um 7 bis zum letzten Posting um 21:57 Uhr können Leserinnen und Leser auf Spiegel Online einen Tag im „Willkommensland“ Deutschland quasi live miterleben.

Investigativ-Chef wechselt in Banken-PR

logo_die_weltDer Leiter der Investigativ-Redaktion der Tageszeitung Die Welt, Jörg Eigendorf, wechselt zum April 2016 die Lager und soll neuer Konzernsprecher der Deutschen Bank werden. Eigendorf hat selbst bereits lange in Frankfurt/Main als Wirtschaftsjournalist gearbeitet, ist also mit den Gegebenheiten im Frankfurter Bankenviertel bestens vertraut. Für die Tageszeitung Die Welt ist das ein herber Verlust, da unter Eigendorf die hauseigene Investigativ-Abteilung deutlich an Format gewonnen hat. Wechsel vom Journalismus in die Public Relations oder Unternehmenskommunikation werden in der Branche stets argwöhnisch beäugt, weil das Diktum verbreitet ist: „Journalisten machen keine PR“. Angesichts des neuen Arbeitgebers Deutsche Bank darf davon ausgegangen werden, dass mit der neuen Positionen erhebliche Gehaltsvorteile im Spiel sind.

Vorratsdatenspeicherung ist ein Angriff auf Recherchejournalismus

Foto: Pixabay
Foto: Pixabay

Der Bundestag hat am Freitag den umstrittenen Regierungsentwurf für eine neue Vorratsdatenspeicherung durchgewunken:  In der namentlichen Abstimmung haben 404 Abgeordnete für die neue Vorratsdatenspeicherung votiert, 148 waren dagegen bei 7 Enthaltungen. PolitikerInnen der Opposition wie Renate Künast von B’90/Die Grünen werfen der Regierung vor,  „alle in dieser Bundesrepublik zu Verdächtigen“ zu machen. Alle drei, vier Minuten werde von jedem mit einem Handy festgestellt, wo er oder sie sich aufhalte. Dies habe selbst Orwell in 1984 nicht absehen können. Außerdem habe niemand die Frage der Datensicherheit nach Snowden beantwortet. Niemand könne ausschließen, dass etwa Geheimdienste wie die NSA Zugang hätten.

Auch die Journalistenverbände wie z.B. der Deutsche Journalisten Verband (DJV) kritisieren das Gesetz scharf. Es schwächt den Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis. Denn Whistleblower und InformantInnen können sich künftig bei Anrufen oder Kontaktaufnahmen mit Redaktionen nicht mehr sicher sein, ob sie dabei nicht beobachtet und getrackt werden. Das schränkt die Presse- und Informationsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland massiv ein. Medienjournalist und Blogger Richard Gutjahr bezeichnet das Gesetz denn auch  als einen der „größten Eingriffe in die Grundrechte der Bürger seit Bestehen der Bundesrepublik“.