Starke ARD-Recherche: Vertuschter Pharma-Skandal

Ein starkes Stück Fernsehen und eine starke Recherche: In der ARD-Doku-Reihe Die Story lief am vorvergangenen Abend der Film „Der vertuschte Skandal – Ein Pharmakonzern und sein Hormonpräparat“ von Christian Stücken:

Viele Kinder kommen in den 60er- und 70er-Jahren mit Missbildungen auf die Welt: Hirnschäden, Herzfehler, verkümmerte Gliedmaßen. Sie haben alles eines gemeinsam. Ihre Mütter haben von ihrem Hausarzt das Mittel Duogynon als Schwangerschaftstest bekommen.

Eigentlich ist Duogynon von der Firma Schering in den 60er- und 70er-Jahren ein Hormonpräparat, das bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt wird. Frauenärzte verabreichen es gern als Schwangerschaftstest. Lösen die eingenommenen Hormone keine Blutungen aus, weiß die Frau, dass sie schwanger ist. Was die zugeführten Hormone bei den Kindern im Bauch der Mutter anrichten – daran denkt niemand. Unterm Ladentisch wird Duogynon als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch gehandelt.

Der Film deutet die Rechercheschwierigkeiten nur an, die ihm selbst wohl im Wege standen. Wenn man aber nebenbei erfährt, dass eine BBC-Dokumentation zum gleichen Thema aus den 1970er-Jahren bis heute im „Giftschrank“ des Senders liegt und nie ausgestrahlt wurde, ahnt man, wieviele ARD-Justiziare diese „Story“ abgesegnet haben werden, bevor sie auf Sendung ging. Dass außerdem auch die Bildgestaltung bei diesem schwierigen und durchaus nicht bilderreichen Thema überaus gelungen und kreativ war, zeichnet diesen Film nur noch weiter aus.

Nur eines hat der Film nicht zu bieten: Eine Lösung. Aber dazu ist guter Journalismus auch nicht immer da. Er hat die Recherche geleistet, die Folgearbeiten müssen jetzt andere machen.

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